Zum Inhalt
de
ru

Georgier und Osmanen an der Küste von Sotschi

Die Küste des heutigen Sotschi war über Jahrhunderte ein Grenz- und Kontaktgebiet. Ihre Geschichte lässt sich weder als durchgehende Herrschaft georgischer Könige noch als einfache osmanische Kolonie beschreiben. Vor der russischen Expansion lebten hier eigenständige Gemeinschaften des westlichen Kaukasus, darunter Ubychen und Adyge (Tscherkessen); zugleich reichten politische und religiöse Verbindungen in den südöstlichen Schwarzmeerraum.

Georgische Verbindungen und christliche Zeugnisse

Die politische Geschichte des östlichen Schwarzmeerraums umfasste zu unterschiedlichen Zeiten Kolchis beziehungsweise Lazika, das Königreich Abchasien und georgische Herrschaften. Grenzen und Einfluss wechselten; moderne Staatsgrenzen lassen sich nicht auf das Mittelalter zurückprojizieren. Für das Gebiet des heutigen Sotschi ist daher die pauschale Aussage, es habe vom 6. bis zum 15. Jahrhundert durchgehend unter georgischen Königen gestanden, nicht belastbar.

Archäologische Funde belegen christliche und byzantinische Kulturkontakte. Die Dauerausstellung des Museums zur Geschichte Sotschis nennt byzantinische Münzen und frühchristliche Gegenstände aus dem 6. bis 8. Jahrhundert. Die Kirche von Loo, deren Bau der Sochi-Nationalpark ins 10. bis 12. Jahrhundert datiert, ist ein erhaltenes Zeugnis byzantinischer Baukunst. Ein Sakralbau belegt jedoch nicht für sich allein die politische Kontrolle über die gesamte Küste.

Osmanischer Einfluss und lokale Selbstständigkeit

Mit der Ausdehnung des Osmanischen Reiches im Schwarzmeerraum nahmen auch seine Beziehungen zum Nordwestkaukasus zu. Je nach Ort und Zeit bestanden Handels- und Religionskontakte, diplomatische Bindungen oder Formen mittelbarer Oberhoheit. Die Ubychen und Adyge-Gemeinschaften der heutigen Sochi-Region verfügten zugleich über eigene politische Strukturen. Die Bezeichnung „osmanische Kolonie“ suggeriert eine einheitliche, direkte Provinzverwaltung und ist für die Küste zu pauschal.

Anzeige

Der Vertrag von 1829 und die russische Expansion

Im Frieden von Adrianopel von 1829 beanspruchte das Russische Reich formale Rechte an der östlichen Schwarzmeerküste. Die Vereinbarung zwischen zwei Imperien bedeutete weder die Zustimmung der dort lebenden Gemeinschaften noch eine sofortige wirksame Kontrolle über die ganze Region. Während des Kaukasuskriegs errichtete Russland ab den 1830er-Jahren Befestigungen; am 21. April 1838 entstand an der Mündung des Flusses Sotschi das Fort Alexandria. Die militärische Eroberung des westlichen Kaukasus wurde 1864 abgeschlossen.

In dieser Schlussphase wurden Ubychen, Tscherkessen und weitere Bewohner vertrieben oder zur Auswanderung in das Osmanische Reich gezwungen. Die Entwurzelung veränderte die Bevölkerung der Küste grundlegend. Den größeren historischen Zusammenhang schildert die Geschichte Sotschis. Für die heute noch sichtbare Kirche von Loo bietet der Sochi-Nationalpark Informationen zum Kulturdenkmal.