Geschichte von Sotschi
Die Geschichte Sotschis reicht weit vor die Gründung der heutigen Stadt zurück. Archäologische Funde belegen menschliche Präsenz an der nordöstlichen Schwarzmeerküste seit der Steinzeit; eine durchgehende Stadtgeschichte ergibt sich daraus jedoch nicht. Die moderne Stadt formte sich im 19. Jahrhundert, während sich die russische Herrschaft im westlichen Kaukasus ausdehnte und das Leben der dort ansässigen Gemeinschaften tiefgreifend verändert wurde.
Frühe Spuren und die Bevölkerung der Küste
Im Gebiet des heutigen Groß-Sotschi wurden Steinwerkzeuge und Funde aus verschiedenen Epochen entdeckt; auch Dolmen gehören zum archäologischen Erbe der Region. Vor der russischen Eroberung lebten an der Küste und im Hinterland unter anderem Ubychen, Tscherkessen (Adyge) und Sads-Abchasen. Das heutige Stadtgebiet war damals kein zusammenhängender urbaner Ort. Die Dauerausstellung des Museums zur Geschichte der Stadt Sotschi ordnet archäologische Funde von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter ein.
Fort Alexandria, Kaukasuskrieg und Vertreibung
Am Ort des heutigen Zentrums wurde 1838 das Fort Alexandria errichtet. Die russische Küstenbefestigung entstand während des Kaukasuskriegs; 1839 erhielt das Fort den Namen Nawaginskoje. Mit dem militärischen Ende des Krieges 1864 wurden zahlreiche Tscherkessen, Ubychen, Schapsugen und Sads-Abchasen aus ihrer Heimat vertrieben oder zur Auswanderung in das Osmanische Reich gezwungen. Die Verluste und die Zerstreuung ganzer Gemeinschaften prägten die Geschichte der Küste dauerhaft. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Geschichte der Ubychen beschreibt Sotschi als Teil ihrer historischen Heimat und behandelt ihre Vertreibung ins Osmanische Reich.
Von der Siedlung zur Stadt
Nach dem Krieg wurde der Militärposten schrittweise zu einer zivilen Siedlung. Sie hieß zunächst Dakhowski-Posten und später Dakhowski Possad. 1896 setzte sich der Name Sotschi durch, abgeleitet vom gleichnamigen Fluss, der hier ins Schwarze Meer mündet. 1917 erhielt die Siedlung Stadtrecht. Damit begann die Entwicklung der modernen Stadt, die sich später über eine lange Küstenstrecke ausdehnte.
Kurort und sowjetische Stadtentwicklung
Um die Wende zum 20. Jahrhundert gewann Sotschi als Bade- und Kurort an Bedeutung. 1902 begann die Nutzung der Mineralquellen von Matsesta; im Juni 1909 öffnete die Anlage „Kaukasische Riviera“. In den 1930er Jahren wurde der Ausbau der Stadt und ihrer Sanatorien durch staatliche Generalpläne vorangetrieben. Während des Zweiten Weltkriegs dienten Erholungsheime und Sanatorien als Lazarette. So entstand über mehrere Jahrzehnte das Bild Sotschis als großer sowjetischer Kurort.
Sotschi im 21. Jahrhundert
Nach dem Ende der Sowjetunion veränderte sich der Tourismus, während Sotschi ein bedeutendes Reiseziel blieb. 2007 wurde die Stadt als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 ausgewählt; die Spiele und die Paralympics fanden 2014 statt. Die Bewerbung und ihre Vorgeschichte sind im Beitrag über Sotschis Bewerbung um die Olympischen Winterspiele dokumentiert. Die historischen Schichten der Stadt reichen damit von archäologischen Fundorten und der Festungsgeschichte bis zur sowjetischen Kurarchitektur und den Sportstätten des 21. Jahrhunderts.